Entscheidungen agil treffen: 4 Gedanken und 2 Methoden dazuEntscheidungen agil zu treffen heißt, zügig zu guten Entscheidungen zu kommen. Dabei ist Entscheidungsfindung ist eine wesentliche Führungsaufgabe. Ganz egal, ob in einem klassischen oder einem agilen Kontext.

Diese 4 Gedanken und 2 Methoden machen euch schneller:

1 Entscheidungen im letzten verantwortungsvollen Moment treffen

Agil zu arbeiten, bedeutet Veränderungen willkommen zu heißen. Entscheide ich mich zu früh, kann es sein, dass ich mich auf einen Weg festlege, der gar nicht optimal ist. 

Zu agilen Entscheidungsprozessen gehört es deswegen herauszufinden, was der letzte Zeitpunkt ist, zu dem ich eine Entscheidung noch verantwortungsvoll treffen kann. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt es die verschiedenen Optionen weiter zu betrachten, sie mit relevanten Informationen anzureichern und die Auswirkungen dieser Optionen laufend zu evaluieren. Je später ich entscheide, um so mehr kann ich schließlich über das lernen, was es zu entscheiden gilt.

2 Die Perspektiven derer einbeziehen, die die Entscheidung beeinflussen können

Hier ist Beteiligung das Schlüsselwort. Und zwar Beteiligung, um der Entscheidung willen und nicht nur um des Beteiligen willens. Das heißt: In einem agilen Unternehmen mache ich mehr sehr bewusst, wer welche Entscheidungen zu treffen hat und nach welchen Prinzipien der Entscheidungsprozess dann gewählt wird. Unter anderem versuchen agile Unternehmen langwierige Konsens-Diskussionen zu vermeiden. Sie setzen stattdessen auf Entscheidungsprozesse, die das Handeln und Reflektieren in den Vordergrund stellen. 

3 Solange handeln, wie es keine schwerwiegenden Einwände gibt

Beim sogenannten Konsentprinzip zählen in einer Entscheidung die Argumente und nicht die Stimmen. Steht eine Entscheidung an, wird also nicht nach Zustimmung sondern nach schwerwiegenden Einwänden gefragt. Gibt es keine solchen Einwände, kann das Team die Entscheidung umsetzen. Hat jemand einen Einwand, muss er/sie gute Argumente vorbringen und einen Lösungsvorschlag machen, der ermöglicht mehr über den Einwand zu lernen. Über diesen Vorschlag wird dann neu abgestimmt.

4 Transparenz über ihre Entscheidungsprozesse herstellen und regelmäßig reflektieren, ob das Vorgehen erfolgreich ist

Agile Unternehmen beleben häufig die Idee des guten alten Schwarzen Bretts neu. Und zwar mit vielen bunten Post-Its und auf beschreibbaren Wänden. Die Idee dahinter ist Entscheidungen, Kundenanforderungen oder Aufgaben in Form von Listen sichtbar zu machen. 

Diese Listen sind so aufgebaut, dass jede/r leicht entnehmen kann, was er/sie für ihre eigene Arbeit braucht, z.B. wie ist die Priorität? Wie ist der Entscheidungsstand? Wie ist der Bearbeitungsstand?

Parallel dazu begutachten agile Teams ihre „Bunten Bretter“ regelmäßig – im Idealfall gemeinsam mit Kunden und Stakeholdern: Wie zufrieden sind wir mit den Arbeitsergebnissen? Helfen sie uns weiter? Können wir sie wertschöpfend herstellen? Haben wir gute Arbeitsprozesse und ein gutes Miteinander?

Entscheidungen agil treffen

Um Entscheidungen agil zu treffen, bieten sich zum Beispiel diese beiden Methoden zur Entscheidungsfindung an:

Die Daumenwahl: Eine zu treffende Entscheidung wird dem Team kurz vorgestellt. Alle signalisieren gleichzeitig per Daumen, was sie empfehlen, danach werden Vetos gehört und die Entscheidung schrittweise umsetzbar gemacht: 

  • Daumen hoch – gute Entscheidung, ich setze mich aktiv dafür ein
  • Daumen zur Seite – können wir so machen, ich stelle mich nicht dagegen
  • Daumen runter (Veto) – ich habe einen schwerwiegenden Einwand, den ich gleich benennen werde und mache einen entsprechenden Verbesserungsvorschlag

Der konsultative Einzelentscheid: Ich entscheide allein, muss mich aber  vorher mit einer festgelegten Anzahl und Auswahl von Personen beraten haben.

Beide Methoden können sich zunächst ungewohnt anfühlen. Am besten Ihr probiert sie aus und beobachtet, wie sich eure Entscheidungsfindung (und Teamdynamik!) verändert. Viel Erfolg damit!

Agiles Coaching aus Hamburg: Julia Dellnitz> Julia ist Mit-Gründerin und Geschäftsführerin von smidig uns berät seit 2004 Unternehmen, die gut mit Komplexität umgehen wollen. Seit 2009 setzt sie dazu vor allem agile Ansätze ein. Julia arbeitet seit 1993 mit digitalen Medien. Sie ist seit über 15 Jahren zertifizierte E-Learning Moderatorin und Gestalterin.

 

 

Foto von Susanne Jutzeler von Pexels