Scrum Master Aufgaben SinnbildDie Scrum Master Aufgaben sind im Scrum Guide beschrieben: Sorge dafür, dass Scrum so läuft, wie im Scrum Guide beschrieben. Und zwar indem Du als Servant Leader für das Entwicklungsteam, die Product-Owner-Rolle und das Umfeld arbeitest.

Um das zu tun habe ich mir über die Jahre 7 Routinen zugelegt, die mir helfen als Scrum Masterin erfolgreich zu sein. Hier sind sie.

Scrum Master Aufgaben 1: Am Daily teilnehmen

Hört sich banal an, ist es aber nicht. Für mich ist der Daily auch nach 12 Jahren immer noch DAS Meeting in einem agilen Team. Hier fließt die Information, die das Team zum Arbeiten braucht und ich kann unkompliziert feststellen, ob es irgendwo hakt. Nach dem Daily halte ich mir immer eine gute Stunde Zeit frei, falls Teammitglieder Themen gleich aufgreifen wollen oder ich das Gefühl habe, nochmal nachforschen zu wollen, was los ist.

Scrum Master Aufgaben 2: Regelmäßig mit Menschen aus dem Umfeld sprechen

Als Beraterin arbeite ich häufig mit Unternehmen, die erst dabei sind agil zu werden. Das heisst manche Teams sind weiter als andere oder agile Teams arbeiten als Inseln in einem eher traditionell organisierten Umfeld. Dann ist es wichtig, viele Gespräche zu führen - mit anderen Teams, mit Führungskräften und Vorständen.
Damit helfe ich allen Beteiligten herauszufinden, wie sie gut zusammenarbeiten können. Vermeintliche Hindernisse sind oft nur Missverständnisse, Unsicherheit oder eine ungünstige Kommunikation, die sich über Jahre eingeschlichen hat. Die agile Herangehensweise mit ihren Feedback-Schleifen bietet viele Möglichkeiten, da wieder Bewegung rein zubringen.

Scrum Master Aufgaben 3: Mich mit anderen Scrum Mastern vernetzen

Teams reiben sich oft an denselben zwei, drei Themen und stellen fest, dass sie nur schwer ändern können. Meistens sind das Themen, die sich aus der bestehenden Aufbau- oder Ablauforganisation ergeben und aus der Art und Weise wie dieses über die Jahre mit Leben erfüllt wurde. Was da schief läuft, kann ein einzelnes Scrum-Team zwar aufdecken, manchmal auch kompensieren oder austricksen. Aber nur ganz selten allein beheben. Darum ist es wichtig, dass sich die Menschen in der Scrum-Master-Rolle untereinander vernetzten. Sie können Muster und Strukturen aufdecken, die Erfolg schwierig machen und daraufhin wirken, die Rahmenbedingungen zum Besseren zu wenden.

Scrum Master Aufgaben 4: Die Experimente aus der Retrospektive im Blick behalten

Wenn ich die Retrospektiven moderiere, dann helfe ich dem Team gern zwei Dinge im Blick zu behalten: Erstens, nicht zu viel auf einmal zu verändern. Und zweitens, dranbleiben. Das heisst zum Ende der Retro biete ich geeignete Priorisierungsmethoden an. Während des Sprints sorge ich dafür, dass Experimente oder Vereinbarungen sichtbar sind, z. B. im Sprint Backlog auftauchen oder im Daily aufgegriffen werden. Ich versuche auch mit zu beobachten, ob die Experimente oder Vereinbarungen greifen und biete dem Team meine Einschätzung an, wenn es mit dem Verlauf unzufrieden ist oder auch vergisst, zu feiern, wenn es einen Durchbruch erreicht.

Scrum Master Aufgaben 5 : Ein kleines Sprint-Logbuch führen

Für mich persönlich ist es wichtig, den Überblick zu behalten und rechtzeitig zu erkennen, wann ich bereit sei muss zu handeln. Deswegen führe ich für jedes Team ein kleines Sprint-Logbuch. Darin halte ich stichwortartig fest, was ich beobachte oder vermute. Mir hilft es, das nach unterschiedlichen Prozessebenen zu strukturieren:

  • Was passiert im Umfeld?
  • Wie entwickelt sich das Produkt?
  • Was passiert im Team?
  • Wie steht es um den Arbeitsprozess?

Manchmal zeichne ich darin auch über mehrere Sprints Stimmungskurven und verprobe meine Wahrnehmung anhand von Rückmeldungen im Review oder in der Retro.

Tipp!: Es hat sich bewährt, das Logbuch digital zu führen und die Inhalte zu verschlüsseln. Ich nutze es als persönliche Gedankenstütze und um Muster zu entdecken, mit denen ich dann arbeiten kann. Deswegen behandle ich den Inhalt streng vertraulich und lösche alles mit Abstand von 6 - 8 Wochen wieder.

Scrum Master Aufgaben 6: Mich fachlich mit den Themen meines Teams auseinandersetzen

Mir hilft es Ahnung von dem zu haben, was mein Team tut. Nicht im Detail, aber im Zusammenspiel. Wenn ich das Handwerk nicht kenne, kann ich keine Methoden vorschlagen, die die Arbeit erleichtern. Wenn ich das Business nicht durchschaue, kann ich nicht helfen, die Wertschöpfung zu verbessern. Wenn ich die Wünsche und Nöte der Kundschaft nicht verstehe, kann nicht dazu beitragen, sinnvolle Produkte zu entwickeln. Ich muss also wissen, was die Arbeit, um sie verbessern zu können. Deswegen arbeite am liebsten mit Teams, in denen ich auch potenziell als Teammitglied mitarbeiten könnte. Außerdem bilde mich laufend zu deren Themen fort, in dem ich z. B. Fachartikel lese oder Meet-ups besuche.

Scrum Master Aufgaben 7: Mich zurückhalten

Und last, but not least: Ich halte mich zurück. Und das ist die schwierigste Scrum-Master-Aufgabe von allen. Ich habe natürlich in meiner Laufbahn viel gesehen, habe immer auch selbst eine Vorstellung davon, wie die Dinge laufen könnten (oder schlimmer: zu laufen haben) und nicht selten, gesellt sich Ungeduld dazu, insbesondere, wenn der Druck aus dem Stakeholder-Umfeld hoch ist. Gerade deswegen ist Zurückhaltung eine Aufgabe, die im Englischen so schön „actively do nothing“ heißt. Für mich als Scrum Masterin bedeutet das: Ich warte immer bis ich gefragt werde. Das heisst aber auch, dass ich immer für Gelegenheit sorge, dass ich gefragt werden kann und dass ich immer vorbereitet bin, also eine Reihe von Handlungsmöglichkeiten im Kopf habe, damit ich entsprechend beraten und coachen kann.

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