Die Motivation von Mitarbeitenden führt in eine Sackgasse.

|

|

Es gibt so ein Thema, das in Workshops mit Führungskräften immer auftaucht:

Wie motiviere ich meine Mitarbeitenden?

Eine mächtige Frage. Und die Literatur ist voll von Ideen und Modellen dazu – angefangen bei der guten alten Maslow-Bedürfnispyramide in all ihren Varianten über Ansätze aus dem Sport bis hin zu allen nur erdenklichen selbstentwickelten Modellen von Unternehmensberatungen und Live Coaches.

Wie motiviere ich meine Mitarbeitenden?

Diese eine mächtige Frage – wie motiviere ich meine Mitarbeitenden? – hat meiner Erfahrung nach nur eine ehrliche Antwort: Am besten gar nicht!

Die Motivation von einzelnen Personen führt nämlich ganz schnell in eine Sackgasse. Belohnung wirkt nur kurzfristig, Menschen ticken unterschiedlich, wer auf intrinsische Motivation setzt, läuft Gefahr, dass Ideen zur Zukunft schnell auseinander driften und überhaupt: Wie sieht das aus in einem großen Team? Die Zeit hast du nicht. Wenn aber der Rahmen stimmt, dann kann die Motivation von ganz alleine kommen.

Was ist dein Job als Führungskraft?

Als Führungskraft ist es dein Job einen Rahmen zu schaffen, in dem die Menschen, die dir zur Führung anvertraut sind, ihre Fähigkeiten möglichst gut einsetzen und entfalten können, um für das Unternehmen, mit dem sie Arbeit gegen Lohn tauschen, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen.

Der Rahmen macht die Musik, nicht das Herummotivieren an einzelnen Personen. Und er wird gern vernachlässigt.

Warum wird der Rahmen beim Führen vernachlässigt?

Ich erkläre mit das so:
… es ist nicht klar, was mit Rahmen überhaupt gemeint ist,
… es ist anstrengend, den Rahmen auszuhandeln innerhalb des Teams, aber auch (und oft auch: vor allem) mit dem Rest der Organisation,
… es kostet Zeit, Liebe und Kreativität, ihn zu gestalten, die oft fehlt in der Alltagshektik,
… Rahmen klingt so unscharf und gar nicht nach KPI oder OKR (was doch alle so mögen)
… die Gratwanderung zwischen Rahmen halten und weiterentwickeln erfordert Mut, Offenheit und Konfliktbereitschaft (von Konfliktfähigkeit ganz zu schweigen).

Schöne Führungsaufgaben oder? Mir macht so was Spaß!

Wie kann ich als Führungskraft für einen motivierenden Rahmen sorgen?

Ich zaubere Mal ein paar Bilder in unsere Köpfe:

  • Rahmen heißt: Meetings, Rollen, Artefakte, zentrale Themen und Ressourcen und zwar alle die, die du als Führungskraft verantwortest (d.h. wo du, wenn jemand fragt, diejenige Person bist, die eine gute Antwort geben will).
  • Aushandeln heißt: Der Rahmen ist in Bewegung. Immer. Es gibt keine Kuh, die vom Eis ist. Deine Kühe als Führungskraft leben auf dem Eis. Es ist wichtig, dass dir das klar ist und dass du den Job, gern machst dich um sie und das Eis und vor allem um dein Team (!) zu kümmern und zwar in dem du gute Gespräche führst. (was übrigens Handwerk ist und nichts Angeborenes, oder so)
  • Zeit, Liebe und Kreativität heißt: Du hast in den Aufgaben deines Teams nichts zu suchen. Frag dich nicht, wie du dein Team beteiligen kannst, sondern frag dein Team, wo du beteiligt sein musst und sieh zu, dass das möglichst wenig ist. Und dann schärfe deinen Fokus für den Rahmen, beobachte, was passiert, analysiere es, ziehe Schlüsse daraus, tausche dich mit anderen Menschen aus, fang mit dem Team und anderen Führungskräften an und verändere den Rahmen jeden Tag zum Besseren. Jeden Tag ein bisschen.
  • Unscharf stimmt gar nicht: Rahmen können sehr gut geschärft werden. Es gibt eine Menge Indikatoren, die du dir angucken kannst, um zu prüfen, ob der Rahmen gut ist und wo er vielleicht weiter oder enger oder durchlässiger oder oder oder gefasst werden müsste. Überlege Dir eine Handvoll Indikatoren und fang an sie zu messen und regelmäßig zu überprüfen. Anzahl Schnittstellen, Anzahl Fehltage, Dauer von Anfrage bis Lieferung, Wer darf nicht ausfallen? um mal ein paar Ideen zu geben.
  • Gratwanderung heißt: ja genau das! Es ist wichtig, dass du den Rahmen bewusst setzt und auch weißt, wo die Grenze verlaufen soll. Führen heißt, diesen Rahmen zu halten und die Grenzen zu schützen, bzw. in Grenznähe überlegt und klar zu agieren. Genauso wichtig ist zu beobachten, wo der Rahmen passt und wo es immer wieder knirscht. Und den Rahmen dann bewusst weiterzuentwickeln. Und das kann beides sein: Weiter fassen, anders oder enger setzen.

Was hilft mir im Führungsalltag?

In Workshops lade ich Führungskräfte gern ein, sich aus mitgebrachten Rahmen einen auszusuchen und die oben angerissenen Themen explizit zu machen. Dann wird ausformuliert, wie der Rahmen aussieht. Damit entsteht zwei Möglichkeiten zum konstruktiven Gespräch:

  • Die Führungskräfte können ihre Rahmen untereinander vergleichen und sehen deutlicher: Was passt zusammen? Wo sind Konflikte vorprogrammiert? Welche Werte teilen wir in der Führungsarbeit?
  • Die einzelne Führungskraft kann ihre Vorstellungen kompakt ans eigene Team kommunizieren: Wie passt der Rahmen? Wo hilft er euch? Wo steht er im Weg? Was muss ich für euch im Blick behalten?

Ich persönlich ziehe übrigens dezente und schlichte Rahmen vor. Und bin im Gegenzug ein Fan von großen bunten Bildern.

Foto von Designecologist via pexels.com