Ihr kennt das sicher auch – von irgendwoher hat sich dieses Lied eingeschlichen und schwupps, ist der Ohrwurm da. Bei mir war
es neulich „Das ist alles nur in meinem Kopf“ von Andreas Bourani. Ich kann euch nicht sagen, wo ich es aufgegabelt habe, aber die Zeile „Alles nur in meinem Kopf“ ging nicht mehr aus selbigen. Und das erinnerte mich wiederum an einen der besten Ratschläge, die ich jemals erhalten habe. Einer meiner ersten Chefs sagte damals zu mir: „Ach Dina, Stress passiert nur im Kopf.“ 

Genau darüber habe ich mich mit einer Führungskraft aus der Logistik neulich unterhalten. Dass der Umgang mit Komplexität und die Geschwindigkeit mit der Dinge passieren vielen Menschen Stress bereitet. Viele versuchen immer schneller alles zu erledigen und kommen überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Privatleben. „Muss man ja auch mal gemacht/gesehen/probiert haben, heißt es dann. Aber wer sagt das eigentlich? Wieder so eine Sache, die nur in meinem Kopf stattfindet. Ich denke, dass ich etwas tun sollte/müssste oder ich gehöre nicht dazu. FOMO heißt das dann so schön, die Angst etwas zu verpassen. Und wieder fängt es damit an, dass ich denke, dass es so ist.

Von „ist doch alles prima so“ bis…..

Aber zurück zur Arbeit. Die Führungskraft erzählte mir, dass es ihr neulich selber so gegangen ist. Sie ist mit vielen Wassern gewaschen, schlau und nicht so leicht aus der Fassung zu bringen. Ihren Job macht sie viele Jahre wirklich gut und es gab nie etwas zu beanstanden. Dann kam ein Führungswechsel im Unternehmen. Und sie ins Grübeln. Der neue Chef war deutlich jünger. Und studiert hatte er etwas ganz anderes. Damit stellte er naturgemäß andere Fragen als sein Vorgänger und brachte neue Ideen mit. Und schon ging das Kopfkino los. 

Der besagte schlaue Kopf beschäftigte sich mit der Frage, ob er denn genug arbeiten würde. Dazu ging er alle sonderbaren Gespräche aus den letzten 20 Jahren durch, die ihm einfielen. Dabei kramte er fröhlich Diskussionen um Arbeits- und Ruhezeiten, Erwartungen an Führungskräfte im allgemeinen und besonderen und noch vieles mehr hervor. Im Ergebnis kam die Führungskraft dann zu dem Schluss, dass sie von jetzt an mehr Stunden arbeiten müsse. Und sie fing an sich Pläne dafür zu überlegen und ihre Arbeitsweise entsprechend umzustellen.

Und dann kam dieser Kollege, den wir alle haben. Der, der mit beiden Beinen auf dem Boden und den bohrenden Fragen: „Sag mal, spinnst Du. Es hat doch keiner was gesagt, oder?“ „Nein.“ Hat irgendwer sich über Deine Arbeitsergebnisse beschwert?“. „Ach was!.“ „Bist Du unzufrieden mit dem was Du leistest?“ „Ganz und gar nicht.“ Wozu machst Du das dann?“ „Ich habe halt gedacht, dass der Neue denkt, dass ….“ Und da war es wieder – alles nur im Kopf passiert. 

„Hat der noch alle Tassen im Schrank!?“ 

Als wir drüber sprachen, musste sie lachen. „Ich hatte mich richtig in Rage gedacht.“ berichtete sie. „Wenn er glaubt, dass ich mich nicht genug anstrenge oder meinen Job nicht kann…“. Jetzt mal Hand aufs Herz – musst Du beim Lesen schmunzeln? Ist Dir das auch schon passiert? Ich kenne das auf jeden Fall nur zu gut. Auch, dass ich richtig in Rage komme und wütend, traurig oder ängstlich werde, nur durchs Denken. Und ich habe daher über die Jahre gelernt mein eigenes Denken nicht immer ganz ernst zu nehmen. Und ich kenne mittlerweile meine Warnsignale.

Das wichtigste ist, dass ich dann auf einmal Fantasien entwickele, was alle um mich rum anders machen müssten. Ich könnte dann jedem aus dem Stand einen Vortrag darüber halten wie sein/ihr Verhalten mein Leben schwer macht. Und wenn ich anfange dafür Manuskripte im Kopf zu entwickeln, dann weiß ich, dass mich etwas stresst und ich mich lieber damit beschäftigen sollte und zur Ruhe kommen muss.

Tipps für weniger Kopfkino

Und dafür muss ich meinen Kopf frei bekommen. Hier die Dinge, die bei mir immer funktionieren:

  • Abstand nehmen.
    Es fällt mir schwer, aber ich traue mich Abstand zu nehmen und wirklich mal etwas ganz anderes zu machen. Einen Spaziergang, einen Kaffee mit einem lieben Menschen, Sport….Was immer mir gerade gut tut. Und wirklich räumlichen Abstand von meinem Rechner zu nehmen. Und je mehr mein Kopf sagt, dass ich sitzen bleiben soll, weil so viel zu tun ist, desto mehr weiß ich mittlerweile, dass Abstand mir hilft.
  • Pause machen.
    Ich arbeite viel mit meinem Kopf. Darum ist es mir wichtig gut mit ihm umzugehen. Und mein Kopf braucht mal Pause. Von den vielen Eindrücken, die er ständig verarbeitet. Also mache ich ordentliche Pausen, die mir wirklich gut tun und wieder auftanken lassen. Kleiner Pro Tipp – als Couchpotatoe mit Chips vor Netflix hängen gehört meist nicht dazu, auch wenn ich das gerne denke – oh, da war es wieder… 
  • Meine Gedanken mit anderen teilen.
    Das was in meinem Kopf los ist mit anderen teilen. Also transparent machen, was in meinem Oberstübchen vor sich geht. Schon häufig war ich erstaunt wie anders jemand auf die genau gleiche Situation geblickt hat.
    Beim agilen Arbeiten ist es praktischerweise schon durch Retrospektiven eingebaut das regelmäßig zu tun. Damit es euch leicht fällt, findet ihr hier eine Reihe von 90 Minuten Retros. 
  • Körperliche Signale kennen.
    „Ich brauche jetzt was Süßes!“ Das ist mein ganz persönliches Warnsignal, dass ich mich von etwas gestresst fühle. Dann fange ich nämlich an zu naschen. Nicht das genussvolle Naschen. Sondern dieser Heißhunger auf eine ganze Tüte Lakritze. Und dann weiß ich, dass das etwas los ist, das mich stresst und ich schaue hin, was das ist.

 

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Foto: Engin Akyurt from Pexels