Ungestört arbeiten? Im Sommer habe ich mal wieder entdeckt, wie gut es sich anfühlt das über einen längeren Zeitraum tun zu können.

Ein altes Hobby neu entdeckt

Ich hatte nämlich ein altes Hobby von mir wiederentdeckt: Das Nähen. Ich habe meine alte Maschine reparieren lassen, ein paar Probestücke genäht, gemerkt, das wird gut und mich dann dem Hobby hingegeben. Mir einen lang gehegten Wusch erfüllt und eine gute Overlock-Maschine gekauft, mir einen Nähplatz in unserer Wohnung eingerichtet und die Tür hinter mir zu gemacht. Und dann habe ich mir einfach mal einen Tag zum ungestört Arbeiten frei gehalten.

Und ich war erstaunt, was ich alles schaffe. Wenn mein Arbeitsplatz wirklich gut eingerichtet ist und ich wirklich gute Arbeitsmittel zur Verfügung habe. Wenn ich mich Aufgaben stelle, die meiner aktuellen Kompetenz gut entsprechen und eine leichte Herausforderung darstellen. Wenn meine Umfeld weiß, was ich gerade mache und sich darauf einstellt „mich in Ruhe zu lassen“. Und ich einfach ungestört und konzentriert an etwas arbeiten kann, dass mir Freude bringt.

Ungestört arbeiten im Job? Schwierig…

Im beruflichen Kontext beobachte ich oft, wie schwierig es ist diese Bedingungen für sich selbst oder für ein ganzen Team herzustellen.

Da sind zig Anforderungen und Tätigkeiten, die einen ständig ablenken. Ein voller Terminkalender, Chatfenster, die jeder Zeit aufklappen, eine Mailbox, mit hunderten von ungelesenen E-Mails, Chefinnen und Vorstandsmitglieder, die mit immer neuen, eigenen, „Einfach-mal-schnell-machen“-Ideen um die Ecke kommen, Anrufe aus der Kita oder Schule, ein Arzttermin, der irgendwie auch noch in diesem Tag untergebracht werden will.

Da ist wenig Klarheit darüber, was die eigene Aufgabenstellung angeht. Was soll dabei eigentlich herauskommen? Bis wann brauchen wir das wirklich? Wer will damit wie weiterarbeiten? Warum machen wir das eigentlich? Und wenn in einem anderen Bereich daran gearbeitet wird, sollen wir das überhaupt machen? Führt uns das in die richtige Richtung?

Und oft fehlt es auch an Mut oder Entschluss, die eigenen „Ungestört“-Bedürnisse in den Vordergrund zu rücken.

5 Tipps für ungestörtes Arbeiten

Deswegen habe ich euch hier 5 einfache Tipps zusammengestellt, wie ihr euch vor Störungen schützen könnt:

#1 Mit einem Backlog arbeiten

Viele Störungen gehen gar nicht von Geräuschquellen aus. Es sind vielmehr die vielen kleinen Nebenaufträge, Sonderaufträge und „Besonders-wichtig“-Emails, die eine.r das Leben schwer machen können. Wenn Ihr eure Arbeit in einem Backlog organisiert, nehmen diese Störungen meistens ab. Dazu erstellt ihr eine sortierte, für alle sichtbaren Liste mit den Aufgaben oder Anforderungen, an denen gerade gearbeitet wird. Diese Liste „friert“ ihr für einen Zeitraum von 2 Wochen ein. Das bedeutet nichts Neues kommt hinzu und die Sortierung wird auch nicht verändert. Neue Aufträge müssen sich hinten anstellen und vermeintliche Störungen werden so gut in Bahnen gelenkt.

#2 Sichtbar machen, ob ich ansprechbar bin

Auf See gibt es eine einfache Regel: Wenn eine Tür geschlossen ist, wird sie nur geöffnet, wenn die Hütte (also das Schiff) brennt (oder untergeht). Das lässt sich sogar im Großraumbüro umsetzten. Einigt euch im Team darauf, dass ihr mit Symbolen oder Post-Its signalisiert, wann ihr absolut nicht gestört werden wollt. Wenn das Schild nicht stören aushängt, dann dürft ihr euch… nicht stören.

#3 Pomodoro-Technik nutzen

Die Pomodoro-Technik ist benannt nach diesen Eieruhren, die wie Tomaten aussehen. Was steckt dahinter? Ich stelle mir eine Eieruhr auf 25 Minuten, arbeite in diesem 25 Minuten fokussiert an einer Aufgabe und machen dann 5 Minuten Pause. Danach im Wechsel 25-5-25-5-25 und dann eine längere Pause von 15 Minuten. Der Trick ist, dass ich eine Sache zur Zeit mache, mir eingangs auch kurz überlegen kann, was ich eigentlich erreichen will und regelmäßig Pausen mache, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

#4 Mobile Office Tage in einer Bibliothek verbringen

In vielen Unternehmen sind Mobile Office Tage üblich. Und manchmal fühlt sich das an, wie vom Regen in die Traufe. Da klingt der Kurierfahrer für die Nachbarn, da wir draußen Laub gepustet oder die Nachbar.innen hämmern irgendwo im Haus herum. Die Kinder kommen von der Schule und irgendwie sitzen die täglichen Pflichten im Nacken. Weshalb nicht einfach ruhige Orte, wie z.B. eine Bibliothek aufsuchen? Die ungestörte Atmosphäre dort steckt in jedem Fall an.

#5 Noise Cancelling Headphones nutzen

Und ja, am Ende hilft auch einfach gute Technik. Noise Cancelling Headphone blenden einfach die Umgebungsgeräusche aus und sorgen für eine schön gedämpfte Stimmung im Kopf. Und signalisieren ganz nebenbei auch: Ich möchte nicht gestört werden…

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Foto: ‚women underneath lampshade‘ von IS2 / photocase.de