Digitale Müdigkeit in Online-WorkshopsDigitale Müdigkeit im Online-Workshop?

Ja, auch ich wünsche mir wieder unbeschwerte persönliche Begegnungen in Präsenz, mal wieder schnell  am Flipchart einen Gedanken notieren, ohne immer die Technik dazwischen - auch wenn mir meine Online-Workshops total viel Spaß machen. Aber Corona hat uns nach wie vor fest im Griff, die meisten sitzen wieder im Homeoffice und Online-Meetings bestimmen unseren Arbeitsalltag. Da macht sich digitale Müdigkeit breit… und jetzt auch noch eine digitale Weihnachtsfeier oder ein Online-Teamtreffen? Ich finde: Ja, unbedingt!

Warm-ups für lebendige Online-Workshops

Gerade jetzt ist es wichtig, im Kontakt zu bleiben, denn Vereinzelung, Einsamkeitsgefühle, mangelnder Austausch, erhöhte Wechselbereitschaft werden mehr oder weniger offen geäußert. Wie könnt ihr digitale Begegnungen so gestalten, dass auch online Nähe entsteht, der Kontakt zu euren Kolleg:innen nicht verloren geht und ihr weiterhin Spaß an der Zusammenarbeit habt? Und dass gar nicht erst digitale Müdigkeit entsteht? Der größte Hebel ist für mich nach wie vor, Online-Treffen lebendig und interaktiv zu gestalten und jedes, wirklich jedes Meeting mit einem Warm-up zu beginnen.

Sich am Anfang kurz Zeit für einen Icebreaker zu nehmen hilft schon, die Stimmung zu verstehen, verringert die Distanz und ermöglicht, sich danach voll und ganz aufs Thema konzentrieren zu können. Auch Teams, die sich schon länger kennen, können immer noch neue Seiten an sich entdecken, wenn sie sich trauen, mal etwas anders zu machen als üblich. Probiert es einfach mal aus!

Wake up durch Warm-up!

Hier ein paar Tipps aus meiner Moderatorinnen-Schatzkiste und aus unserem eBook > Von analog zu digital:

1. Tipp: Ein Warm-up muss nicht aufwendig sein. Vielleicht probiert ihr zum Anwärmen eine Runde zu einer überraschenden Frage aus (z. B. Wen bewunderst du heimlich und warum?).

2. Tipp: Kein Warm-up ist nicht die Lösung, wenn nicht viel Zeit ist. Ein Warm-up darf kurz sein! Minimum ein Wort, maximal ein Satz pro Person. Wichtig: jede/r sagt was. Das erhöht die Beteiligung im Laufe des Meeting.

3. Tipp: Nutzt den Chat, wenn ihr viele seid. Denn Runden mit vielen Teilnehmenden können sehr zäh werden. Also: Ein, zwei Satzanfänge in den Chat gepostet (s. Von analog zu digital, S. 93) und los geht’s.

4. Tipp: Falls euer Online-Tool Breakout-Sessions anbietet, noch besser. Sich in einer kleinen Runde zu einer Einstiegsfrage auszutauschen bringt alle in Schwung und schafft schnell Verbindung.

5. Tipp: Zuhören ist die Kompetenz der Zukunft. Das könnt ihr wunderbar üben mit dem Circle Way (s. Von analog zu digital, S. 84), sowohl als Einstiegsrunde einsetzbar als auch während eines Meetings oder Teamevents.

6. Tipp: Schrottwichteln als Icebreaker - warum nicht? Auf eurer digitalen Weihnachtsfeier oder Teamevent könnte der persönliche Gegenstand, den ihr in die Kamera haltet (s. Von anlog zu digital, S. 8/9), euer schrecklichstes Geschenk sein, das ihr sonst zum Schrottwichteln mitgenommen hättet. Dazu eine kurze Geschichte erzählt und das Eis ist gebrochen.

Bonus-Tipp: Hoffentlich überflüssig, es zu erwähnen: Jedes Meeting, jedes Online-Event sollte vorbereitet und moderiert werden, egal wie lang oder kurz das Treffen ist.

Probiert aus, was euch wach macht und euren Zusammenhalt stärkt.

Weitere Methoden und Hinweise zu Online-Workshops findet ihr in unserem eBook >vonanalogzudigital.de 7×5 interaktive Workshop-Methoden, die auch online begeistern. Wir haben es im Sommer 2020 zu neunt remote geschrieben und stellen es euch kostenfrei zur Verfügung. Das eBook wurde über 36.000 mal heruntergeladen.

Viel Spaß beim Schmökern und Ausprobieren!

Über die Autorin

Hands-on für gute Zusammenarbeit: Sylke Jehna lebt lebendig-agile Personal- und Organisationsentwicklung und Veränderungsbegleitung in KMU und Konzernen - analog, digital und hybrid. Mit langjähriger Erfahrung als internationale Personalleiterin ist sie heute als People Expertin, Workshop-Moderatorin und Agile Coach unterwegs.

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Foto von Andrea Piacquadio von Pexels