Die klassische Personalarbeit nähert sich dem Ufo „Agile HR“. Was bedeutet das für den einen oder die andere? Meiner Beobachtung nach heißt das – raus aus den bisherigen Denkmustern, dem Hüten der Arbeitsgesetze, hin zum Gestalten und Begleiten. Wieso komme ich darauf? Weil ich im letzten Herbst einen Blick in die Personalarbeit außerhalb meines Dunstkreise werfen durfte und mich meine Beobachtungen seither beschäftigen.

Ich besuchte ein Training mit dem Titel „Agile HR“ und war voller Vorfreude darauf die Verbindung von Agilität bzw. agiler Haltung und klassischer Personalarbeit zu entdecken. In meinem Gepäck hatte ich die Erfahrungen von 10 Jahren Personalwesen und einem Jahr Gestalten von agilen Arbeitsweisen. Was ich jedoch vorfand war überraschend. Viele meiner Kollegen.innen kamen aus größeren Organisationen und damit häufig aus Personalabteilungen, die bisher noch nicht viel von Agilität mitbekommen hatten. Sie berichteten davon, noch immer stark in der klassischen Personalwelt verhaftet zu sein und sich mit den typischen Themen rumzuschlagen. Um so neugieriger nahm ich die Stimmung unter den Teilnehmer.innen wahr, was uns alle wohl erwarten würde. 

Neue Fragen

Im Laufe des Trainings kamen wir zu spannenden Fragestellungen: 

  • Was passiert eigentlich bei der Einführung von agilen Arbeitsweisen mit den bisherigen Personalinstrumenten?   
  • Wie sieht die Beurteilung von Mitarbeiter.innen zukünftig aus? Was passiert mit dem klassischen Jahresgespräch?
  • Wie funktionieren zukünftige Bonussysteme?
  • Welche neuen Rollen wird es geben und wie besetzt man diese neu? 
  • Wie entwickeln wir eigentlich ein agiles Mindset? 

Das Resümee aus dem Training beschäftigte mich: Die Palette von Mitarbeiterrecruiting, Mitarbeiterentwicklung und -bindung ist so groß und  muss unter dem neuen Blickwinkel „Agilität“ neu gedacht werden. Ich kann nicht leugnen, dass ich skeptisch bin, ob wir in der „Personalerwelt“ das einfach so schaffen. Denn leider höre ich immer noch auf Veranstaltungen oder in Unterhaltungen: „Hautsache wir verwalten den Status quo“,  „Wir  ringen darum vom Business ernst genommen zu werden“ oder „Agilität ist doch nur etwas für die IT“.

Und genau da möchte ich uns inspirieren und an etwas erinnern, was wir alle einmal ganz automatisch gemacht haben …

Entdeckertum und Experimentierfreude

Das spannende an vielen heutigen Transformationsprozessen im Rahmen der Digitalisierung ist, dass wir alle lernen und im Sinne des lebenslangen Lernens es auch permanent können. Nur so kann Weiterentwicklung entstehen. Lernen uns offen Feedback zu geben, lernen, dass es nicht die 100% Lösung gibt, lernen, dass alte Verhaltensweisen nicht mehr passen – letztlich geht das es darum, das Lernen (wieder) zu lernen!

Was hat das Laufenlernen eines Kindes damit zu tun?

Und da kommt mir unsere kleine Tochter in den Sinn und wie sie mit einem Jahr das Laufen lernte: Erst hangelte sie sich an Tischen und Regalen entlang. Dann konnte sie an einer Hand gehen. Die ersten Schritte alleine waren noch ernüchternd … ein, zwei, Plumps. Wie häufig ist dabei irgendetwas umgekippt oder gar kaputt gegangen? Aber sie ist von uns Eltern und anderen Menschen in ihrer Umgebung kontinuierlich bestärkt worden. Wir haben es als gemeinsame Aufgabe gesehen, sie immer und immer wieder zu ermutigen weiter laufen zu lernen! Und das haben alle ganz automatisch gemacht. Und unsere Tochter? Vermutlich hat sie nie darüber nachgedacht aufzugeben. Sie war stets neugierig. Aus ihren „Hinplumpsern“ hat sie schnell gelernt wieder aufzustehen und es noch mal anders zu probieren und tata… die nächsten Schritte klappten gleich viel besser. Von da an gehörte das Laufen in ihr festes Repertoire.

Für mich ist das ein schönes Bild. Ein Teil meiner agilen Haltung ist es daher, dass wir alle uns in einem stetigen Lernprozess befinden und zu diesem gehört es eben auch mutig zu sein, Neues auszuprobieren, sich zu verlaufen, sich gegenseitig zu helfen, aus den Erfahrungen unterwegs zu lernen und vor allem immer wieder aufzustehen. Und das natürlich mit Spaß.

Ist Lernen nicht etwas Tolles?

Bei meinem Blick auf die Personalerwelt vermisse ich diese Neugierde und Experimentierfreude an vielen Stellen – auch und leider unter vielen Kolleg.innen in dem „Agile HR“-Training. Es herrschte doch viel Skepsis und vielleicht auch Resignation. Wieder etwas Neues, worauf es sich einzustellen gilt. Dabei ist das doch gerade die Chance: Durch die Agilität entstehen völlig neue Rahmenbedingungen, in denen wir Dinge auf die Beine stellen, experimentieren und Neues lernen können. 

Näher ans Business zu rücken und ernstgenommen zu werden, war viele Jahre immer ein Dauerthema im Personaler.innen-Dasein war, kann doch nun genauso gelingen: Gemeinsam mit meinem Umfeld neue Schritte zu gehen und die Versuche der Teams sich in Selbstorganisation auszuprobieren, zu unterstützen, Sparring-Partner.in zu sein, neue Rollen zu bestärken und ungewöhnliche Feedback-Formate auszuprobieren, kontinuierliche Verbesserung und übergreifende Zusammenarbeit zu bewirken. Also am Ende des Tages – einfach gemeinsam zu Lernen.

Na ja und vielleicht steckt da doch auch die Chance drin als Personalbereich direkt selber damit anzufangen. Eine eigene agile Haltung zu entwickeln und im eigenen Team Neues auszuprobieren. Ganz im Sinne von Alistair Cockburns „Heart of Agile: liefern – sich besinnen – verbessern – als Team arbeiten.“ 

 

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