Frau hält Zettel auf dem never stop working steht.

Ende März fand in Mannheim und Heidelberg die größte deutschsprachige Coworking Konferenz statt. Als Coworking Connectorin in Hamburg möchte ich möglichst viel von dem was ich dort mitbekommen zurück zu den Spaces bringen, die nicht dabei sein können. Auf der Konferenz treffe ich alle Menschen der Coworking Bewegung in Deutschland auf einen Schlag. Es gibt immer einen tollen Austausch und viel zu Lernen. Daher ist dies eine der Veranstaltungen, die fest in meinem Kalender eingetragen ist. An den Themen dieser drei Tage, möchte ich euch daher teilnehmen lassen.

Coworking in Deutschland wächst weiter

Der Freitag startete mit der Mitgliederversammlung der German Coworking Federation e.V. Das ist der größte europäische Coworking Verband, der im letzten Jahr noch mal die Mitgliederzahl verdoppeln konnte und dessen Arbeit ich sehr schätze. Mittlerweile zeigt sich auch, wie nützlich der Verband ist. So ist er unter anderem zu einem Arbeitstreffen des DIN Instituts eingeladen, welches sich mit einer Erarbeitung einer DIN Norm zur Sharing Economy befasst. Die Cowork haben wir in einer Barcamp Session dafür genutzt, die Positionen aus der Coworking Bewegung einzusammeln und eine grobe Strategie zu entwerfen. Hier zeigt sich, dass eine solche Gemeinschaft viel mehr leisten kann, als es einzelne Spaces können.

Wir gestalten die Arbeitswelt der Zukunft

Offiziell eröffnet wurde die Cowork dann direkt im Anschluss mit zwei Keynotes. Die erste hielt Markus Albers mit einem sehr persönlichen und kritischen Blick auf das Thema neue Arbeitswelten. Er berichtete von seiner anfangs eigenen Begeisterung über diese neue Welt. Aber auch darüber was ihn ins Grübeln bringt. So sprach er auch kritische Themen wie digitale Erschöpfung und Innovationsverhinderung durch falsche Arbeitsplatzwahl an. Damit warf er natürlich bei uns viele Fragen auf. Gerade das Thema Open Space Offices brachte etliche Diskussion in Gang. Hier zeigt sich, wie wichtig eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitsumfeld ist, wenn man einen Coworking Space betreiben möchte.

Nicht vergessen, dass wir gestalten können

Es geht eben um mehr als stylische Möbel und hippe Raumgestaltung, nämlich um eine Kultur der Zusammenarbeit wie Tobias Kremkau bei den Netzpiloten so treffend beschreibt. Zum Abschluss kam ein Gedanke auf, den wir nicht vergessen dürfen: Wir gestalten die Arbeitswelt gerade neu. Wenn uns etwas nicht gefällt oder wir verstanden habe, dass etwas nicht funktioniert, denn können wir als Coworking Bewegung es jederzeit wieder ändern und Vorreiter für neue Lösungen werden. Wir sollten also nicht aufhören daran zu arbeiten, wie Arbeit für uns funktionieren kann.
Im Anschluss stelle Anja C. Wagner ihren Blick auf die Arbeitswelt der Zukunft vor. Sie erläuterte, warum Menschen nicht mehr aufhören werden zu lernen und warum es eine andere Art zu Lernen benötigt. Hier freut es mich besonders, dass die Lernformate, die wir bei smidig entwickeln und einsetzten schon längst diesen Erkenntnissen entsprechen, zum Beispiel nicht auf Halde, sondern beim Arbeiten zu lernen.

Coworking zieht es aufs Land

Der Samstag ist traditionell Barcamp Tag und die Sessionwand füllte sich rasant mit Themen. Deutlich zu erkennen war, dass Coworking im ländlichen Raum eines der Themen für die nächsten Jahre sein wird. Dementsprechend viele Vertreter.innen solcher Spaces waren anwesend und haben die diversen Facetten ländlichen Coworkings diskutiert. Hans-Peter vom Ammersee Denkerhaus geht in seinem Blogartikel ausführlicher darauf ein und ich bin jetzt schon gespannt auf den Bericht auf der Cowork2020 zu dem was entstanden ist.

Frauen unter sich

Ein weiteres Thema, das ich auch im Nachgang noch intensiver mit Teilnehmern diskutierte, war das Thema Coworking Spaces für Frauen. Es kommt immer wieder die Frage auf, ob es Spaces nur für Frauen braucht und ob das dem Wert der Offenheit aus dem Coworking Manifest widerspricht. Ich denke, dass wir solche Räume (noch?) brauchen. Wir sollten offen genug sein zuzulassen, dass Menschen sich den richtigen Arbeitsort auswählen für das was sie erreichen wollen. Und wenn dies für einige in einem Frauen Space besser funktioniert, warum sollten wir sie dann versuchen zu etwas zu zwingen? Das hat für mich auch viel mit Offenheit zu tun.
Matthias berichtet in seinem Blogartikel was er und Uwe in Coworking Bansko über die Jahre gelernt haben und wie sie versuchen dies in ihrem Space umzusetzten. Und ich muss selber sagen, dass ich es über die Jahre geschätzt habe weibliche Mentorinnen zu haben, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Einen besonderen Dank möchte ich hier mal meiner lieben Kollegin Julia Dellnitz aussprechen, die für mich beim Thema Engagement von Frauen für Frauen eine große Inspiration ist.

Spaces gestalten lernen

Der Sonntag startete mit einem Riesenschreck weil ich verschlafen hatte. Also stand ich vor der Frage, ob es sich lohnt mich zu beeilen, um den Workshops „Creating a space of relevancy“ vom SAP AppHaus Team zu besuchen. Nach einem kurzen inneren Kampf fiel die Wahl auf beeilen, was sich als gute Entscheidung herausstellte. Ich lernte zwei Methoden, um Räume zu gestalten, die wirklich Spaß gemacht habe. Besonders schön fand ich, dass beim Erstellen des Spaces von den Anforderungen der Nutzer.innen ausgegangen wird. Gerade für diejenigen unter uns, die agil arbeiten mag das selbstverständlich erscheinen. Aber ich habe schon sehr oft Menschen erlebt, die überlegten einen Space zu gründen und mit der Möbelauswahl begonnen haben.

Wir haben viel zu geben

Zusammenfassend würde ich sagen, dass man deutlich merkt wie die Coworking Bewegung in Deutschland immer selbstbewusster wird. Es ist kein Nischenthema mehr, was man unter anderem an der Menge an wissenschaftlichen Publikationen in der Coworking Library, aber auch an der zunehmenden Beratungstätigkeit für Unternehmen sehen kann. Denn aus aus all den Experimenten zu Arbeitsorten, -tools, – Ritualen und -Formen, haben wir als Coworking Bewegung einen Schatz an Erfahrungen gewonnen, den wir gerne weitergeben.

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