Das Psychodrama ist eine handlungsorientierte Therapie- und Beratungsmethode. Sie wurde im frühen 20. Jahrhundert von dem Arzt Jacob Levy Moreno aus dem Stegreiftheater entwickelt und zielt u.a. darauf Spontaneität, Kreativität und Empathie zu aktivieren und durch spielerisches Durchleben auf der „Bühne“ (d.h. im geschützten Raum) die eigene Rollenflexibilität in der tatsächlichen Welt (also z.B. dem beruflichen Kontext) zu erhöhen.

100 Minuten Psychodrama

Zusammen mit meinem ehemaligen Kollegen Lars Büsing (der mich vor vielen Jahren zu Psychodrama gebracht hat) haben wir einen 100 Minuten Workshop für die Konferenz Agile Beyond IT entwickelt und gestern mit Agilistinnen und Agilisten ausprobiert. Nach einem kurzen theoretischen Input haben wir eine Gruppe von 25 Menschen aus allen möglichen Branchen und Disziplinen durch einen sogenannten Kreativen Zirkel begleitet und drei kurze psychodramatische Spiele angeleitet. Die zentralen Konzepte des Psychodrama bieten nämlich einen guten und fundierten Rahmen, um die Geschehnisse während einer agilen Transition besser zu verstehen und Interventionen abzuleiten. Für den Workshop hatten wir uns entschieden, uns auf das Konzept „Rolle“ zu konzentrieren.

Eine Rolle übernehmen

Zur Erwärmung sind wir mit einer Variante von dem alten Kinderspiel „Mutter, Mutter wie weit darf ich reisen?“ gestartet. Hier ging es darum sich mit einer Rolle, die von aussen an mich herangetragen wird auseinanderzusetzen und mir bewusst zu machen, welche Aspekte ich selbst in meinem Berufsalltag übernehme. Wir haben dazu exemplarisch die Rolle der Product Ownerin aus dem Scrum gewählt.

Für das Spiel versammelt sich die Gruppe dabei am Ende des Raums. Die Spielleitung liest dann Aspekt der Rolle laut vor. Gehört dieser Aspekt zu meiner Arbeit trete ich einen Schritt vor. So entsteht langsam ein Bild, wer wieviel von der Rolle schon in seine oder ihre Arbeit integriert hat. Im Sharing nach dem Spiel geht es dann darum, mit zwei Menschen, die ähnlich weit vorangekommen sind, die eigenen Erfahrungen zu der Rolle kurz zu reflektieren.

Eine Rolle spielen

Dann haben wir ein kurzes Stegreifspiel unter dem Motto „Fang den PeOh“ angeleitet. Hier dienen kurze Rollenspiele dazu, sich in der Rolle des Product Owners in vielen kleinen Kommunikationssituationen wiederzufinden und die eigenen agilen Kommunikationsfähigkeiten zu erproben. Eine detaillierte Beschreibung des Spiels samt Spielkarten zum Ausdrucken findet Ihr hier: Fang den PeOh- ein Mini-Abenteuerspiel für alle, die Produkte agile entwickeln

Nach den Rollenspielen haben wir eine psychodramatische Auswertung moderiert:

  • Feedback aus den Rollen geben
  • Sich bewusst von der Rolle lösen („entrollen“)
  • Sharing eigener Erlebnisse

Eine Rolle gestalten

Zum Abschluss ging es darum, vor dem Hintergrund des „Erspielten“, die eigene berufliche Rolle kreativ zu gestalten. In einem Mini-Zauberladen konnte jede.r aus einem Fundus von Bildern, Eigenschaften und Fähigkeiten auszuwählen, die er oder sie im Überfluss hat und gern geben mag. Alle treffen sich mit ihren Bildern auf einem imaginären Marktplatz und handeln mit ihre Fähigkeiten. Kleiner Eindruck aus den Gesprächen

„Was hast Du anzubieten?“ – „Immer eine gute Idee im richtigen Moment.“

„Ich brauche Geduld, hat jemand Geduld für mich“?

„Super, ich habe Entspanntheit und etwas mehr Fokus eingetauscht, die nehme ich jetzt mit nach Hause“-

Der Zauberladen ist ein Psychodrama-Klassiker, der sich gut skalieren lässt. Eine ausführliche Beschreibung von Lars‘ Ausbilderin Gabriele Stiegler findet Ihr hier: Der Zauberladen. Psychodrama trifft auf Magic. (Springer, Open Access)

Zum Weitermachen

Lars und ich haben uns sehr über Euer tolles Feedback nach dem Workshop gefreut und hoffen, dass wir Euch inspirieren konnten, Psychodrama und Spielfreude in Euren Job mit zu nehmen. Wir versprochen geben wir noch ein paar Tipps zum Weitermachen:

Ausbildungsinstitute
Bücher

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Foto: Oleg Magni/pexels.com