Agile Ernte - Kürbisse auf StrohNeulich saß ich mit Jan beim Mittagessen und wir kamen auf Herrn von Ribbeck zu sprechen. Kennt ihr das Gedicht auch noch auswendig? Wir haben zumindest den Anfang gemeinsam hinbekommen. Aber dann haben wir doch noch mal das Internet befragt, um das
gesamte Gedicht zu lesen. Ich hatte dabei ganz vergessen, dass Herr von Ribbeck sich eine Birne mit ins Grab geben lässt, weil er schon das Verhalten seines knausrigen Erben vorhersieht.

Agile Ernte zur goldenen Herbsteszeit

Nun ist die „goldenen Herbsteszeit“, um mal mit Herrn Fontane zu sprechen, ja auch immer die Zeit der Ernte. In vielen unterschiedlichen Kulturen wird nach der Ernte inne gehalten und gedankt. Wir erfreuen uns an dem, was entstanden ist und was uns hoffentlich gut versorgen wird. Und gleichzeitig ernten wir das, was im nächsten Jahr ausgesät werden kann, um uns auch zukünftig zu versorgen.

Und da kam mir die Idee mit dem agilen Erntedankfest. Gerade jetzt beginnt ja in vielen Organisationen wieder die Zeit des Jahresendspurts. Alle schauen mit Entsetzen in die Kalender und stellen fest, dass der größte Teil des Jahres vorbei ist und dass doch noch so viel geschafft werden will. Alljährlich setzt nun der Handlungsdruck ein und es wird häufig eine sehr turbulente Zeit.

Innehalten und an der agilen Ernte freuen…

Was wäre denn, wenn wir das in unseren agilen Teams dieses Jahr anders machen? Wenn wir gerade in dieser turbulenten Zeit kurz innehalten und uns an dem erfreuen, was wir ernten können? Uns die Zeit nehmen zu schauen, was im letzten Jahr durch unsere Arbeit entstanden ist und hat wachsen können. Was läuft denn im Moment schon richtig gut? Wer kann jetzt andere Dinge als noch vor einem Jahr? Worüber machen wir uns keine Sorgen mehr?

Und was muss jetzt eigentlich entfernt werden, damit wir nächstes Jahr nicht wieder dasselbe Problem haben? Irgendwas das gefällt werden müsste?

Was sind die Samen, die ganz okay aufgegangen sind, die wir aber so nicht brauchen? Nutzen wir sie vielleicht als Vogelfutter und finden so noch eine gute Verwendung für sie?

Und können wir, wie Herr Ribbeck, der eine Birne mit ins Grab genommen hat, den Blick nach vorne wenden: Was wäre es jetzt wertvoll zu säen, damit wir es in einem Jahr ernten können? Oder anders herum, was will ich gerne in einem Jahr ernten können und muss deshalb wann mit der Aussaat beginnen?

Eine Retrospektive auf die Ernte

Die scharfen Beobachter.innen unter euch haben es bereits bemerkt. Ich schreibe von einer besonderen Retrospektive. Mir ist dabei die Retro mit dem Seestern vor Augen, die ihr in unserem Blog auch nachlesen könnt. Man könnte sie unter das Motto Erntedankfest stellen und ihr damit in dieser Jahreszeit einen etwas anderen Anstrich geben. Denn gerade jetzt werden viele von euch im privaten Bereich die Ernte einfahren und da fällt es dann vielleicht noch leichter Parallelen zur eigenen Arbeit zu ziehen.

Oder ihr stellt mal ein gemeinsames Frühstück oder Mittagessen unter das Motto Erntedank mit Früchten und Gemüse aus den eigenen Gärten und macht eine solche Retrospektive im Anschluss.

Gedankenernte

Bei mir ist der Herbst auch immer die Zeit in der ich mehr anfange zu lesen. Dabei habe ich neulich zwei Zitate „geerntet“ als ich mich nochmal eingehend mit den Fearless Change Patterns von Mary Lynn Manns und Linda Rising befasst habe. Mir haben sie zum Thema säen, wachsen lassen und ernten ein paar spannende Impulse gegeben. Diese Impulse möchte ich euch gern noch mit auf den Weg geben:

David Hutton – The Change Agents’ Handbook:

„You do not have to spend a lot of time and effort on those who strongly resist change. You only have to help and protect those who want to change, so that they are able to succeed. Put another way, your job is not to plant the entire forest, row by row – it is to plant clumps of seedlings in hospitable places and to nurture them. As they mature, these trees will spread their seeds, and the forest will eventually cover fertile land. The rocks will of course, remain barren regardless. This is a logical, effective, and responsible way of using your limited resources. …..(…).“

Peter Senge – The Fifth Discipline:

„I looked out my hotel window and notices that the grass was littered with pinecones. Nature, I realized, doesn’t put all its resources into one or two seedlings, and expects them to take root. It drops myriad seeds, like those pinecones, over as broad an area as possible. Most of them may die, but enough survive to generate a whole forest.“

Viel Spaß beim Ernten und lasst uns wissen, wie das Fest gelaufen ist.


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Foto: Ylanite Koppens/pexels.com