Eine reizvolle Retrospektive zu gestalten ist gar nicht so schwierig, wenn man einen gut gefüllten Werkzeugkasten hat. Einen Teil aus solch einem Werkzeugkasten stellen wir Euch heute vor. Gleich zu gleich ist ein Spiel, mit dem Ihr Themen sammeln und gleichzeitig Erkenntnisse gewinnen könnt, reizvoll, nicht wahr?

Team aktivieren

Mit dieser Methode für eine reizvolle Retrospektive kommt Ihr als Scrum Master.in aus der Moderationsrolle raus. Ihr gebt Eurem Team die Möglichkeit selbst aktiv zu werden, Themen zu formulieren und dabei auch mal um die Ecke zu denken. 

Die strukturierte Vorgehensweise hilft dabei, dass jede.r im Team zu Wort kommt und keine Idee oder Vorschlag ungehört bleibt.

Die Vorbereitung ist relativ einfach und braucht nicht viel Zeit: Du nimmst Dir ca. 10 Karteikarten und versiehst sie mit je einem „abstraktem“ Stichwort zu Eurem letzten Sprint, also z.B. Konflikte, Kundenorientierung, Innovation, Zusammenarbeit, Stress, usw. Außerdem legst Du pro Teammitglied 6 weisse Kärtchen in Spielkartengröße, 2 Legosteine (oder Spielfiguren o.ä.) und Stifte bereit. 

Als Zeitrahmen solltest Du 1,5 h einplanen.

Das Spiel ist für Kleingruppen von 4 – 6 Personen geeignet. Wenn Du mit mehreren Kleingruppen parallel arbeitest, denk dran, dass Du für jede Gruppe das Material – auch die Karten mit den Stichworten – bereithalten musst. 

Und so funktioniert Gleich zu Gleich:

Runde 1

Jede.r erhält 6 weisse, leere Kärtchen und schreibt auf 5 davon je einen Gedanken zum letzten Sprint, das können Ideen, Wünsche, Probleme, Sorgen oder Beobachtungen sein.

Runde 2

Ihr mischt vorbereiteten Karten mit den Stichworten, legt sie verdeckt auf den Tisch gelegt und deckt das erste Stichwort auf. Jeder legt nun von seinen/ihren 5 Kärtchen dasjenige dazu, dass aus seiner/ihrer Sicht am besten passt und erläutert kurz weshalb.

Dann wird das nächste Stichwort aufgedeckt, wenn Ihr mögt nach nochmaligem mischen. Und wieder ordnen die Teammitglieder eines ihrer/seiner Kärtchen dazu. 

Das macht Ihr so lange, bis keiner mehr ein Kärtchen auf der Hand hat.

Runde 3

Nun kommen die Legosteine/Spielfiguren zum Einsatz. Jede.r markiert mit seinen Steinen das oder die Kärtchen, wo er/sie am meisten Verbesserungspotential vermutet.  Hier sind nur die vom Team geschriebenen Karten relevant, nicht die vorgegebenen Stichworte. 

Das Kärtchen mit den meisten Spielsteinen bleibt liegen, alle anderen werden zur Seite geräumt.

Runde 4

Das Thema auf dem Kärtchen, das übrig geblieben ist, steht nun im Mittelpunkt. Nun nimmt jede.r sein letztes unbeschriebenes Kärtchen und schreibt einen Lösungsvorschlag auf. Die Kärtchen werden gesammelt, gemischt und verdeckt auf einen Stapel gelegt.

Runde 5

Die Lösungsvorschläge werden gesichtet und priorisiert. Der/die erste nimmt ein Kärtchen von dem Stapel und legt es neben das Thema. Dann nimmt der/die nächste ein weiteres Kärtchen und sortiert es davor oder dahinter ein, je nach Priorität die er/sie dem Vorschlag einräumt. 

Die Folgenden nehmen entweder ein Kärtchen vom Stapel und sortieren es ein oder verändern die bestehende Reihenfolge der bereits liegenden Lösungskärtchen.

Diese Runde setzt sich fort, bis alle Kärtchen in der Reihe liegen und alle gleich oft dran gewesen sind.

Die oberste Karte ist dann die Lösung, die im nächsten Sprint ausprobiert wird.

Gleich zu Gleich hat viel mit der Arbeitsweise, die Ihr aus dem Sprint Planning kennt gemeinsam: Auch dort habt Ihr eine Reihe von Themen, entscheidet euch für die deren Erreichung Euch im Moment am wichtigsten ist, plant den Lösungsweg und startet die Aufgabe.

Also, wenn die nächste Retrospektive ansteht, ist das vielleicht eine Methode, mit der Ihr Eurem Team wieder neue reizvolle Impulse geben könnt. 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

(Das Spiel implementiert die Spielmechanik von Like2Like von Esther Derby und Diane Larsen und Teile aus dem Team Estimation Game. Weitere interessante Links: Retromat, smidig Methoden&Tipps)

Foto:chance-deck-gluck-19060/pexels.com