Diese Retrospektive eignet sich gut, wenn Ihr das Gefühl habt, dass sich im Team eine Vielzahl von kleinen „Müssten wir mal“-Themen angesammelt, die für sich genommen vielleicht nicht wichtig genug erscheinen, um in einer Retrospektive besprochen zu werden, von alleine aber auch nicht bearbeitet werden.

Mit der Obstbaum-Methode könnt Ihr Eure Ideen sammeln, sortieren und dann entscheiden was Ihr angehen wollt – oder auch nicht. Macht Appetit? Dann los, als Zeitrahmen plant Ihr 90 min ein!

Benötigte Materialien

  • Zwei große Pinwände mit Papier
  • Runde Karten sowie Stifte für alle Teilnehmenden (eckige funktionieren natürlich genauso gut, ist aber nicht ganz so schön 😉 )
  • Klebepunkte

Zur Vorbereitung

Malt auf die erste Pinwand einen (schönen) Baum. Dazu, rechts oben, eine Sonne. Diese symbolisiert die Sonnenseite und im Umkehrschluss die linke Seite des Baums, die Schattenseite.

Die zweite Pinnwand bleibt leer. Sie dient später als Aufgaben-/Experimentspeicher.

Ablauf

Einleitung / Check-in (5m)

Begrüßt Euer Team und erzählt Ihnen was sie heute erwartet, vielleicht in etwa so:

„Meistens konzentrieren wir uns in unseren Retrospektiven auf die ein zwei wichtigsten aktuellen Themen in unserer Zusammenarbeit. Aber ich habe gemerkt, dass gerade auch so viele Ideen und Themen rumschwirren, bei denen es lohnt hinzuschauen, ob und wie wir die mal angehen können. Manche Ideen sind bei Euch im Kopf vermutlich schon reif zum einfach so pflücken, während wir an anderen noch ein wenig rumdenken müssen. Gemeinsam mit Euch würde ich gerne mal schauen, was es da alles so gibt …“

Themen und Ideen sammeln (~30m)

Stellt die Metaplanwand mit den Baum gut sichtbar auf.

  1. Verteilt nun die runden Karten an die Teilnehmer und bittet jede/jeden eine Idee/Thema aufzuschreiben, die sie/er im Kopf hat „die man mal machen müsste“. Wenn Euch nichts mehr einfällt, sammelt die Karten ein und mischt sie gut. (5-10m)
  2. Als Moderator lest ihr eine nach der anderen vor. Das Team soll dabei für jede Karte einschätzen:
    Geht leicht und bringt viel Nutzen (wird auf die Sonnenseite des Baumes und niedrig gehängt)
    Geht schwer und bringt viel Nutzen (wird auf die Sonnenseite des Baumes und hoch gehängt)
    Geht leicht bringt wenig Nutzen (wird auf die Schattenseite des Baumes und niedrig gehängt)
    Geht schwer bring wenig Nutzen (wird auf die Schattenseite des Baumes und hoch gehängt)
    Lasst Euch beim Anpinnen vom Team helfen und achtet darauf Euch nicht in Diskussionen zu verstricken, es geht lediglich um eine schnelle erste grobe Einschätzung. (10-20m)
Experimente entwerfen / Aufgaben beschreiben (30-40m)

Zeit abzuernten! Stellt die zweite Pinnwand bereit. Ihr fangt bei den saftigen, tiefhängenden Ideen auf der Sonnenseite an, dort erzielt Ihr mit wenig Aufwand eine schnelle Ernte.

  1. Teilt Euch in Grüppchen von 2-3 Personen auf
  2. Jedes Grüppchen pflückt eine Idee und macht sich Gedanken dazu, was jetzt getan werden muss, um die Idee zu realisieren. Bitte die Leute konkret zu werden: Wer, macht was, mit wem, bis wann? Wenn eine Gruppe fertig ist, bittet sie Ihr Ergebnis auf der zweiten Pinnwand im Aufgabenspeicher einzutragen und die nächste Idee zu pflücken
  3. Wenn alle niedrighängenden Ideen auf der Sonnenseite abgeerntet sind, kommt wieder in der Gesamtgruppe zusammen und werft ein Blick auf den Aufgabenspeicher. Ist das so für alle ok und leistbar? Wenn nicht macht Anpassungen und/oder priorisiert.

Wenn Ihr noch Zeit habt, macht weiter mit den höhere hängenden Ideen auf der Sonnenseite. Dort werdet Ihr genauer hinschauen müssen. Geht nach dem selben Prinzip wie eben vor, aber prüft für jede Idee, ob sich sich zerlegen lässt in einen ersten sinnvollen kleineren Schritt. Dieser sollte dann wieder für den Aufgabenspeicher aufbereitet werden.

Macht solange weiter, bis Euch die Zeit ausgeht oder Ihr das Gefühl habt, die nötigen Aufgaben sind in der nächsten Zeit nicht mehr leistbar.

Abschluss (15m)

Werft zum Abschluss ein kurzen Blick auf die Schattenseite des Baums. Was für Ideen befinden sich dort. Lohnt es sie im Auge zu behalten? Wie wollt Ihr mit ihnen weiter umgehen? Werden sie vielleicht später noch wichtiger und ihre Zeit ist einfach nur noch nicht reif?

Ihr könnt den Baum für eine später Retrospektive aufheben und schauen, wie er sich dann entwickelt hat.

Prüft gemeinsam noch mal den Aufgabenspeicher, ist jedem/jeder klar was zu tun ist. Ist die Menge an Aufgaben realistisch? Sind die Aufgaben immer noch sinnvoll priorisiert.

Bedankt Euch bei Team, fragt wie ihnen die Retrospektive gefallen hat und ob es Veränderungsvorschläge gibt.

Viel Erfolg bei der Ernte!

Quelle / Inspiration

  • Baldauf, C. u. Fiddike, T. (besucht 07/2018) Retromat https://retromat.org/de/?id=63