Eine reizvolle Retrospektive zu gestalten ist gar nicht so schwierig, wenn man einen gut gefüllten Werkzeugkasten hat. Einen Teil aus solch einem Werkzeugkasten stellen wir Euch heute vor. Gleich zu gleich ist ein Spiel, mit dem Ihr Themen sammeln und gleichzeitig Erkenntnisse gewinnen könnt, reizvoll, nicht wahr?

Benötigte Materialien

  • Karteikarten
  • weiße Karten in Spielkartengröße (6 pro Teammitglied)
  • Stifte
  • 2 Spielfiguren oder Legosteine o.ä. pro Teammitglied

Zur Vorbereitung

Die Vorbereitung ist relativ einfach und braucht nicht viel Zeit: Du nimmst Dir ca. 10 Karteikarten und versiehst sie mit je einem „abstraktem“ Stichwort zu Eurem letzten Sprint, also z.B. Konflikte, Kundenorientierung, Innovation, Zusammenarbeit, Stress, usw.

Das Spiel ist für Kleingruppen von 4 – 6 Personen geeignet. Wenn Du mit mehreren Kleingruppen parallel arbeitest, denk dran, dass Du für jede Gruppe das Material – auch die Karten mit den Stichworten – bereithalten musst.

Als Zeitrahmen solltest Du 90 min einplanen.

Ablauf

Einleitung / Check-in (2 m)

Begrüßt Euer Team und erzählt Ihnen was sie heute erwartet, vielleicht in etwa so:

„Heute spielen wir mal Karten. Mit diesem Spiel lassen wir unseren letzten Sprint einmal Revue passieren und erfahren welche Erfahrungen jeder einzelne gemacht hat. Daraus können wir dann leicht Maßnahmen für unseren nächsten Sprint ableiten.“

Mit dieser Methode für eine reizvolle Retrospektive kommt Ihr als Scrum Master.in aus der Moderationsrolle raus. Ihr gebt Eurem Team die Möglichkeit selbst aktiv zu werden, Themen zu formulieren und dabei auch mal um die Ecke zu denken.

Die strukturierte Vorgehensweise hilft dabei, dass jede.r im Team zu Wort kommt und keine Idee oder Vorschlag ungehört bleibt.

Beobachtungen und Eindrücke sammeln (13 m)

In der Runde 1 erhält jede.r 6 weisse, leere Kärtchen und schreibt auf 5 davon je einen Gedanken zum letzten Sprint, das können Ideen, Wünsche, Probleme, Sorgen oder Beobachtungen sein.

Themen und Hintergründe verstehen (20 m)

Nun mischt Ihr –Runde 2– die vorbereiteten Karten mit den Stichworten, legt sie verdeckt auf den Tisch und deckt das erste Stichwort auf. Jeder legt nun von seinen/ihren 5 Kärtchen dasjenige dazu, dass aus seiner/ihrer Sicht am besten passt und erläutert kurz weshalb.

Dann wird das nächste Stichwort aufgedeckt, wenn Ihr mögt nach nochmaligem mischen. Und wieder ordnen die Teammitglieder eines ihrer/seiner Kärtchen dazu. 

Das macht Ihr so lange, bis keiner mehr ein Kärtchen auf der Hand hat.

In der Runde 3 kommen die Legosteine/Spielfiguren zum Einsatz. Jede.r markiert mit seinen Steinen das oder die Kärtchen, wo er/sie am meisten Verbesserungspotential vermutet.  Hier sind nur die vom Team geschriebenen Karten relevant, nicht die vorgegebenen Stichworte. 

Das Kärtchen mit den meisten Spielsteinen bleibt liegen, alle anderen werden zur Seite geräumt.

Experimente entwerfen (45 m)

Die Runde 4 hat das Thema auf dem Kärtchen, das übrig geblieben ist im Mittelpunkt. Nun nimmt jede.r sein letztes unbeschriebenes Kärtchen und schreibt einen Lösungsvorschlag auf. Die Kärtchen werden gesammelt, gemischt und verdeckt auf einen Stapel gelegt.

In der Runde 5 werden diese Lösungsvorschläge gesichtet und priorisiert. Der/die erste nimmt ein Kärtchen von dem Stapel und legt es neben das Thema. Dann nimmt der/die nächste ein weiteres Kärtchen und sortiert es davor oder dahinter ein, je nach Priorität die er/sie dem Vorschlag einräumt. 

Die Folgenden nehmen entweder ein Kärtchen vom Stapel und sortieren es ein oder verändern die bestehende Reihenfolge der bereits liegenden Lösungskärtchen.

Diese Runde setzt sich fort, bis alle Kärtchen in der Reihe liegen und alle gleich oft dran gewesen sind.

Die oberste Karte ist dann die Lösung, die im nächsten Sprint ausprobiert wird.

Abschluss (10 m)

Dieses Spiel hat viel mit der Arbeitsweise, die Ihr aus dem Sprint Planning kennt gemeinsam: Auch dort habt Ihr eine Reihe von Themen, entscheidet euch für die deren Erreichung Euch im Moment am wichtigsten ist, plant den Lösungsweg und startet die Aufgabe.

Also, wenn die nächste Retrospektive ansteht, ist das vielleicht eine Methode, mit der Ihr Eurem Team wieder neue reizvolle Impulse geben könnt.

Bedankt Euch beim Team, fragt wie ihnen die Retrospektive gefallen hat und ob es Veränderungsvorschläge gibt.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Quelle / Inspiration