Heute stellen wir Euch eine „uralte“ Methode vor – und kleiden sie in ein neues agiles Gewand: Die kollegiale Beratung.

Wirksame Beratungsmethode für Gruppen

Die kollegiale Beratung ist eine sehr wirksame Beratungsform für Gruppen.  Dabei beraten sich die Teilnehmer.innen wechselseitig zu schwierigen Themen ihres Berufsalltags und entwerfen – in unserer agilen Fassung – strukturierte Experimente für problematische Situationen.

Die Methode hilft dabei, berufliche Probleme besser zu lösen, Kooperations- und Führungsverhalten weiter zu entwickeln, fundiertere Entscheidungen zu treffen, Belastungen zu vermindern und insgesamt wirksamer zu handeln. Sie eignet sich für feste Teams genauso wie für Gruppen, die nur sporadisch zusammen kommen.

Die Kollegiale Beratung läuft nach vorgegebenen Schritten und in bestimmten Rollen ab. Diese Arbeitsstruktur hilft dabei, sich als Gruppe auf das Thema zu konzentrieren und in kurzer Zeit zu neuen Perspektiven oder Lösungsansätzen zu kommen. Dafür ist es wichtig, sich sehr diszipliniert an den vorgegebenen Ablauf für die einzelnen Schritte zu halten, die Rollen aktiv zu nutzen und die vorgesehenen Timeboxen einzuhalten.

Die Gruppe sollte zwischen 5 und 7 Personen stark sein.

Klare Rollenverteilung

Kollegiale Beratung: Die Rollen

Die Rollen innerhalb der Kollegialen Beratung sind:

  • Der/die Fallgeber.in: bringt ein konkretes Thema ein, zu dem  er/sie sich Rat wünscht
  • Der/die Moderator.in sorgt für die Einhaltung der Zeit und strukturiert die Beratung anhand der vorgegebenen Schritte. Er/sie kann sich auch als Berater.in beteiligen.
  • Der/die Protokollant.in schreibt die Ergebnisse am Flipchart mit.
  • Die Berater.innen tragen Ideen und Lösungen bei.

Kollegiale Beratung: Der Ablauf

1. Rollen festlegen (5’)
  • legt kurz fest, wer einen Fall einbringen möchte (Fallgeber.in), wer für Ablauf und Zeitmanagement sorgt (Moderator.in) und wer die Ergebnisse mitschreibt (Protokollant.in). Alle anderen dienen als Berater.innen.
2. Fall vortragen (5’)
  • Als Fallgeberin trägst Du kurz vor, was Dich beschäftig und wozu Du Dir  Rat wünscht.
  • Alle anderen hören aufmerksam zu, d.h. ihr sagt wirklich nichts, sondern hört einfach nur zu.
  • Als Protokollant.in schreibst Du ggf. erste Stichworte auf.
3. Verständnisfragen stellen (5’)
  • In diesem Schritt versucht ihr als Berater.innen zu verstehen, worum es wirklich geht. Ihr stellt also Verständnisfragen, um das Thema des Fallgebers oder der Fallgeberin gut zu verstehen. Ihr könnt, z.B:
    • in die Breite fragen: Was gehört noch zum Thema?
    • in die Tiefe fragen: Was genau ist gemeint?
    • zirkulär fragen: Was würde jemand anderes dazu sagen, der/die auch beteiligt ist?
  • Als Protokollant.in schreibst Du ggf. weitere Stichworte auf.
4. Hypothesen sammeln  – was ist hier los? (10’)
  • Jetzt steigt Ihr als Berater.innen in die Analyse ein: Teilt Assoziationen, Empfindungen, Hypothesen und Metaphern, die die Schilderung des Falls bei Euch ausgelöst hat.
  • Als Fallgeber.in hörst Du jetzt aufmerksam zu, d.h. Du kommentierst nicht und bewertest nicht, was Du hörst. Lehne Dich entspannt zurück und höre Dir erstmal an, was Deine Berater.innen so alles parat haben.
  • Als Protokollant.in sammelst Du die Hypothesen am besten auf Karten oder Post-Its.
5. Hypothese auswählen (5’)
  • Nun wirst Du als Fallgeber.in aktiv: Du bringst Karten mit den Ideen in eine Reihenfolge und wählst die Idee aus, die Dich am meisten angesprochen hat. Folge hier ruhig Deiner Intuition:
    • Wo hast Du spontan gedacht, das könnte was sein?
    • Oder: Wo hast Du starke Ablehnung gespürt?
  • Alle anderen hören jetzt wieder zu und versuchen, das Geschehen nicht zu kommentieren.
6. Lösungsvorschläge sammeln – wie könnte ich es lösen? (10’)
  • Als Berater.innen entwickelt ihr jetzt zu der ausgewählten Hypothese Lösungsvorschläge.
  • Und als Fallgeber.in – Du ahnst es schon – hörst Du einfach nur zu und mischt Dich nicht ein.
  • Als Protokollant.in schreibst Du die Lösungsvorschläge mit.
7. Lösungsvorschlag auswählen (5’)
  • Nun wirst Du als Fallgeber/in wieder aktiv und wählst den Lösungsvorschlag aus, der Dir am wirksamsten erscheint.
  • Alle anderen hören wieder zu und versuchen, das Geschehen nicht zu kommentieren.
8. Experiment aufsetzen (10’)
  • Jetzt arbeitet Ihr zusammen aus, wie ein konkretes Experiment zu der ausgewählten Lösung aussehen kann:
    • Was genau willst Du als Fallgeber/in nun tun?
    • Welche Wirkung erhoffst Du Dir auf Dein Thema?
    • Woran kannst Du erkennen, ob die Wirkung eintritt?
  • Als Protokollant.in schreibst Du das Experiment mit und übergibst es zum Abschluss dem/der Fallgeber.in
9. Gespräch reflektieren (5)
  • Am Ende nehmt Ihr Euch noch kurz Zeit, zu reflektieren, wie eure kollegiale Beratung gelaufen ist:
    • Was war gut? Was würdet Ihr wieder so machen?
    • Was hat gefehlt? Was könnt Ihr beim nächsten Mal besser machen?

Kollegiale Beratung ist wie Scrum im Kleinen

Wie Ihr vielleicht gemerkt habt, hat diese Form der Kollegialen Beratung viel mit den Konzepten gemeinsam, die Ihr auch im Scrum nutzt:

  • Ihr arbeitet als Team fokussiert daran ein Problem zu lösen.
  • Ihr unterstützt euch gegenseitig in klar beschriebenen Rollen. „Was“ und „wie“ sind klar getrennt.
  • Ihr priosortiert Hypothesen und Lösungen.
  • Ihr erzielt eine Verbesserung, indem ihr ein Experiment aufsetzt.
  • Am Ende reflektiert ihr kurz über euren Arbeitsprozess.
  • Das Ganze ist timeboxed, damit Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis stehen.

Also wenn Ihr das nächste Mal vor einem Problem steht und nicht weiter wisst, einfach 3 Kolleg.innen bitten, euch zu helfen und gemeinsam eine Stunde Zeit investieren. Ihr werdet staunen, wie Euch das Schub geben kann!!!

Fotos: Fancycrave.com/pexels.com