Ein paar persönliche Gedanken nach der Cowork2018 in Bremen.

Die größte Coworking Konferenz im deutschsprachigen Raum, die Cowork2018, fand im März in Bremen statt und natürlich konnte ich mir dieses Familientreffen der Szene nicht entgehen lassen. Eines gleich vorweg – Coworking ist definitiv aus den Kinderschuhen raus und mitten in der Pubertät.

Die Pubertät ist unter anderem von plötzlichen Wachstumsschüben gekennzeichnet, was man auch im Coworking-Bereich beobachten kann. Aktuell sind es nicht nur die großen Immobilienanbieter, die das Thema Coworking für sich entdeckt haben, sondern auch Konzerne und städtische Unternehmen beginnen sich in der Coworking-Landschaft zu tummeln. Aber auch die wachsende Anzahl an Anfragen zu Bachelorarbeiten (komm wir machen nen Wettbewerb draus wie viele Anfragen Du in einer Woche bekommen hast) zeigt, dass es einen gewissen Hype um das Thema gibt. 

Ein Wachstumsschub fürs Coworking

Und auch die German Coworking Federation hat gerade einen solchen Wachstumsschub erfahren. Wurde vor zwei Konferenzen noch über Sinn und Unsinn eines solchen Verbandes heiß diskutiert, konnte der Vorsitzende dieses Mal anhand der neu ausgefüllten Mitgliedsanträge stolz verkünden, dass wir aktuell der größte europäische Coworking-Verband sind. Und auch die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter in Vorstand und und erweitertem Vorstand ist erfreulicherweise stark gestiegen und wird es ermöglichen, dass einige Themen wie zum Beispiel Forschung und Coworking mit Kindern einen stärkeren Fokus erhalten.

Co-Working ist nicht gleich Coworking.

Nun ist die Pubertät auch eine Zeit in der offensichtlich ab und zu der Verstand aussetzt (Eltern von pubertierenden Kindern werden dies gerne bestätigen). Und auch das beobachtet die Szene seit einiger Zeit. Viele erfolgreiche Space-Betreiber können Geschichten davon erzählen, dass Leute schon Flächen und Möbel hatten und erst als die Sache nicht ins Laufen kam, sich an die Leute gewandt haben, die ihnen erklärt haben, warum nicht alleine eine geteilte Infrastruktur schon zu Coworking führt. Mein Lieblingsbeispiel ist ja der Vergleich mit meiner früheren Pendlerfahrt mit dem Zug zur Arbeit. Jeden Morgen und Abend bin ich mit immer denselben Menschen in den Zug gestiegen. Wir hatten Sitzplätze, Tische und manchmal sogar guten Kaffee. Aber von den allerwenigsten wusste ich, warum wir tagtäglich gemeinsam dort sind. Wir haben halt die gleiche Infrastruktur genutzt (Co-Working) anstatt wirklich zusammen zu arbeiten (Coworking).  

Aber die Pubertät ist durchaus auch eine Zeit des Erkenntnisgewinns. Neben den vielen Fragebögen, die kursieren, nimmt zum Glück auch die Anzahl an ernstzunehmender Forschung zu dem Thema zu. Und um im Sinne der Transparenz und Zusammenarbeit möglichst viele Menschen partizipieren zu lassen, erstellen Johanna Voll von der GCF und Carsten Foertsch von deskmag eine Übersicht über diese Forschung frei zugänglich im Internet unter coworking-library.com. 

Der Coworking-Spirit lebt.

Und genau an diesem Punkt merke ich, dass der Coworking-Spirit welcher für mich von OpenSource, Teilen und Miteinander geprägt ist, nicht einfach mit einer Menge Facebook und gesponserten Hochglanz-Anzeigen tot zu kriegen ist. Im Gegenteil. Gerade das Gefühl, dass etwas, das uns als ein Lösungsweg für die Herausforderungen der Zukunft erscheint nun einfach kommerziell ausgeschlachtet werden soll, hat dafür gesorgt, dass alle Beteiligten enger zusammengerückt sind. 

Gleichzeitig nehme ich auch ein gestärktes Selbstbewusstsein wahr, Coworking als eine Dienstleistung und etwas das wirtschaftlich nachhaltig laufen muss anzubieten. ohne dabei die Werte zu verraten. Wir sind ein Arbeitsmodell der Zukunft und blicken mittlerweile auf viele Experimente und Erfahrungen zurück, die sich aus der inkrementellen Entwicklung der vielen Spaces ergibt. Warum dieser Ansatz für mich der einzig funktionierende ist, erläutere ich an anderer Stelle demnächst ausführlicher.

Wir teilen unser Wissen immer noch gerne, allerdings haben wir verstanden, dass wir keine komplett kostenfreien eins zu eins Coachings für einzelne Space-Betreiber anbieten können bei der Menge an Anfragen, die wir erhalten. Ein tolles Angebot etwas über den Betrieb solcher Orte zu lernen ist der von der GCF regelmäßig organisierte Workshop, der von unterschiedlichen Menschen gestaltet wird und neben vielen praktischen Tipps gleich das passende Netzwerk fürs weitere Lernen mit anbietet. Es ist die neue Klarheit da, die die Szene unerschrockener denn je antreibt und ich freue mich sehr darüber, die Erkenntnisse mitgehalten und mit euch teilen zu können. 

Wer neugierig geworden ist findet unter http://coworking-germany.org/events/cowork-2018 die Nachlese der Community. 

Save-the-Date: Frühjahr 2019 in Mannheim

Im Frühjahr 2019 wird die nächste Cowork in Mannheim stattfinden und gemeinsam von Spaces aus Mannheim und Heidelberg vorbereitet. Die ersten Sponsoren sind schon gefunden und es würde mich nicht wundern, wenn bei der Energie, die ich in Bremen spüren konnte, dies eine Konferenz ist, die es sich lohnt, direkt zu buchen, sobald der Termin feststeht. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das Treffen mit der Großfamilie im nächsten Frühjahr.

Foto: pixabay/pexels.com