Wenn wir Unternehmen oder Teams durch agile Transitionen begleiten, werden wir oft gefragt, was denn Führung in dieser Zeit zu leisten hat. Dabei entdecken wir immer wieder ähnliche Missverständnisse.

Für uns ist die agile Transition auch eine Phase der Gewöhnung: Alle Menschen im Unternehmen setzen sich in dieser Zeit damit auseinander, dass in der modernen Arbeitswelt alles immerzu im Wandel ist. Sie erwerben während des Übergangs die Kompetenzen und die Haltung, um mit diesem Wandel gut umzugehen – als Unternehmen und als Individuum.

Führung – agil oder (noch) nicht – hat während dieser Zeit drei wesentliche Aufgaben:

  • Orientierung geben,
  • Rahmen schaffen und
  • agiles Handeln überzeugend zulassen.

Dabei dreht es sich vor allem darum mit diesen fünf Missverständnissen aufzuräumen:

#1 Missverständnis: Projektarbeit

Nicht davon ausgehen, agil sei nur etwas für die Projektarbeit.

Stattdessen dafür sorgen, dass Agilität als kontinuierlichen Lernprozess begriffen wird und dafür nach und nach Handlungsräume im gesamten Unternehmen schaffen.

Und so Erfahrungen ermöglichen wie: „Dieser Übergang zum agilen Arbeiten ist kein isolierter Prozess für ausgewählte Einheiten, sondern etwas, das uns alle angeht. Ich darf lernen und mich entwickeln, um künftig besser und selbstbestimmter mit dem ständigen Wandel umzugehen.“

#2 Missverständnis: Scrum

Nicht davon ausgehen, agil sei Scrum für alle.

Stattdessen agiles Vorgehen von konkreten Methoden lösen und Agilität nicht als „Schulungsaufgabe“ einführen, sondern schrittweise individuelle Ansätze für alle nutzbringenden Tätigkeiten erproben und einführen.

Und so Erfahrungen ermöglichen wie: „Mir wird kein Standard aufgezwungen, der nicht zu meiner Aufgabe passt, sondern wir suchen gemeinsam anhand von sinnvollen Prinzipien nach Lösungen.“

#3 Missverständnis: Selbstzweck

Nicht davon ausgehen, agil sei ein Selbstzweck.

Stattdessen die Motivation, agil zu werden erläutern und die Handlungslogik für das gesamte Unternehmen und die einzelnen Bereiche vermitteln und laufend anpassen.

Und so Erfahrungen ermöglichen wie: „Ich verstehe, weshalb ich mich entwickeln muss und wieso sich mein Umfeld wieder und wieder verändert. Ich werde ernst genommen und kann Bedenken und Ideen äußern.“

#4 Missverständnis: Auswahl nach Belieben

Nicht davon ausgehen, agile Prinzipien könnten nach Belieben ausgewählt werden.

Stattdessen die eigene Arbeit konsequent und sichtbar nach agilen Prinzipien gestalten – im eigenen Bereich und im Führungsteam.

Und so Erfahrungen ermöglichen wie: „Die Menschen, die bisher klassisch geführt haben, sind bereit, sich auch zu verändern, und bemühen sich vorzuleben, was wir erreichen wollen. Das gibt mir Vertrauen.“

#5 Missverständnis: Transparenz

Nicht davon ausgehen, Transparenz sein kein Problem.

Stattdessen Hindernisse aus dem Weg räumen, die Transparenz beeinträchtigen, z.B.:
starres Projekt-Controlling,  nicht inhaltlich motivierte Meilensteine, Schuldzuweisungen. Auch: Agiles Verhalten (z.B. konstruktiven Umgang mit Unsicherheit) belohnen.

Und so Erfahrungen ermöglichen wie „Es gibt Menschen, die sich darum kümmern, dass ein guter Rahmen für agiles Arbeiten geschaffen wird. Ich muss nach innen nicht einer anderen Handlungslogik folgen als nach außen und mich immerzu verbiegen.“

inspiriert von Sympathy for the C-Level: Why your execs don’t get agile and what you can do about it by Matthew Heusser

CC-BY-SA 4.0 Learnical Julia Dellnitz & Jan Gentsch mit Markus Wittwer und Wolfgang Wopperer-Beholz

Foto: pixabay/pexels.com