KompetenzInga Wittneben ist Expertin für Teams in Veränderungen und hat lange selbst in einem klassischen MINT*-Konzern gearbeitet. Sie hat im Dezember für uns an der Tagung „Frauen in MINT – (auch) eine Frage der Organisationskulturen“ des Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen teilgenommen. Der Pakt vernetzt Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, um junge Frauen für naturwissenschaftlich-technische Berufe zu begeistern.

Vielen Dank, Inga, dass Du Dir Zeit für einen kurzen Blogbeitrag zu Deinen Erkenntnissen genommen hast:

Okay, Marie Curie ist vielen ein Begriff. Aber…

Wie kommt es, dass im Ada-Lovelace-Jahr 2015 immer noch relativ wenige Menschen wissen, dass sich dahinter kein Rockband-Revival verbirgt? Dass kaum jemand weiß, dass die Software für das Apollo-Space Programm von einer Frau entwickelt wurde. Geschweige denn von welcher? Dass dafür jede_r weiß, wofür James Watson und Francis Crick den Nobelpreis bekommen haben?

Frauen wie Ada Lovelace, Margaret Hamilton oder Rosalind Franklin haben wie viele andere Naturwissenschaftlerinnen mit ihren Ideen und Forschungsergebnissen Meilensteine für unsere Gesellschaft gesetzt. Und doch folgen Ihnen heute verhältnismäßig wenige Frauen und streben eine Karriere in einem MINT-Beruf an.

Im November 2015 sitze ich in einem großen Konferenzraum, neben mir andere interessierte Frauen und Männer, die auf Einladung des „Nationalen Pakts für Frauen in MINT-Berufen“ nach Wolfsburg gekommen sind. Uns alle beschäftigt diese eine Frage: Weshalb gibt es immer noch verhältnismäßig wenige Frauen in MINT-Studiengängen, -Berufen und -Führungspositionen? Unter dem Motto „Frauen in MINT-(auch) eine Frage der Organisationskulturen“ wollen wir Antworten finden und Lösungen austauschen.

Auf Gemeinsamkeit(en) kommt es an

Am Ende der Tagung und vieler interessanter Gespräche mit Forscher_innen, Berater_innen und Unternehmensvertreter_innen aus dem ganzen Land nehme ich vier Impulse mit, um Frauen für eine Karriere in MINT-Berufen zu begeistern:

  • In Unternehmen erkennen und aussprechen, wie die Umstände im Moment sind, z.B. wenn es eine (Unternehmens-)Kultur gibt, in der „Frauen“ weniger erwünscht sind
  • Die eigenen unbewussten Denkmuster, engl. ‚Unconscious Biases“ reflektieren, um unbewusste Vorurteile und soziale Kategorisierungen aufzuheben und handlungsfähig(er) zu werden – insbesondere im Führungsteam und bei Personalentscheidungen
  • Sich im heterogenen Team für Diversity sensibilisieren und gemeinsames umlernen, z.B. durch spielerische Aktivierung Rollenvielfalt erleben und erproben.
  • Anschlussfähige Themen in den Vordergrund rücken, die für alle relevant sein können (z.B. Familienteilzeit) und dabei keine Personengruppen explizit ausschließen.

Fazit: Unbewusste Stereotypen sind mächtiger als gedacht

Mein persönliches Fazit: Wir denken und handeln häufiger in Stereotypen und kulturellen Zuschreibungen als uns bewusst ist. Sich für diese unbewussten Kategorien zu sensibilisieren, die eigene Rollenvielfalt zu erhöhen und entsprechende Unternehmensprozesse zu etablieren, sind die wichtigsten Stellhebel für mehr Vielfalt in MINT Berufen: Dann kann es uns gelingen, Geschlechter in neue Bezüge zu setzen, herkömmliche Kategorien aufzulösen und jeden Menschen mit seinen Interessen und seinem Können zu erkennen und zu integrieren.

Der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen bietet u.a. Veranstaltungen zum Thema sowie eine umfangreiche Sammlung von bewährten Methoden zur Ansprache von Frauen im MINT-Bereich an: http://www.komm-mach-mint.de/

*MINT ist eine zusammenfassende Bezeichnung von Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (25. Januar 2016) – Version 1.1.

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