GeNeMe 12 - Kreide ausschneiden (1.1)Gerade fahre ich von der GeNeMe ’12 (www.geneme.de) nach Hause, bei der unter anderem eine Reihe von sehr (d.h. zum Teil noch in der Entwicklung befindlichen) innovativen Technologien und Prozessen zur Organisation, Kooperation und Kommunikation in virtuellen Gemeinschaften vorgestellt wurden. Der Mix hat mir wirklich Spaß gemacht und ich mag ein paar Gedanken dazu teilen:

Wissenslandkarten auf der GeNeMe

Arno Sagawe von der Uni Hamburg hat über ein Tool namens DialogueMaps berichtet: DialogueMaps funktioniert so ähnlich wie prezi nur auf einem großen Smartboard und ist stärker auf Interaktion ausgerichtet. Neben der technischen Lösung hatte der Referent ein paar sehr schlaue Ideen zu Wissenslandkarten: Gute Wissenslandkarten (im Sinne von kommunikativ unterstützend, Kreativität fördernd)

  • funktionieren vor allem über Piktogramme und Symbole, die die Sachverhalte entsprechend abstrahieren und auch in der Kombination wieder zu neuen Erkenntnissen führen
  • sind touch-interaktiv, d.h. es gibt vorbereitete Szenarien oder Modelle, die im Gespräch gemeinsam sortiert werden können, also nicht wie eine Animation sondern eher wie ein Puzzle, damit bei allen Anwender/innen ein eigener Denk- und Handlungsprozess angestoßen wird
  • sind immer nur eine Karte!!! Das heisst im Gegensatz zu einer linearen Powerpoint-Präsentation, die der Referent oder die Beraterin im Zweifel einfach ablesen kann, muss man hier beim Moderieren durch die Karte das abgebildete Gebiet sehr gut kennen, um dann im Prozess zu entscheiden, wo man vertiefen kann und will.

Freudvolles Erleben in sozialen Netzen

Danny Pannicke von der TU Berlin hat eine prima Arbeit zu freudvollem Erleben in sozialen Netzen vorgestellt und sehr schön gezeigt, wieso zum Beispiel Facebook ein sehr effektiver „Third Place“ (also nicht Büro und nicht zu Hause ist). Neben Ergebnissen, die vielleicht erwartbar waren, wieso Facebook und Co. Spaß machen (Neugier befriedigen, Kontakte pflegen, Spontaneität, Spielen) fand ich vor allem die Diskussionen im Anschluss spannend: Wie lässt sich das freudvolle Erleben auf Arbeitskontexte übertragen? Wieso ist XING – Gefühl der Teilnehmer/innen – viel weniger freudvoll? Wieviel Freude verträgt eigentlich ein durchschnittliches deutsches Arbeitsverhältnis? Dein Arbeitsverhältnist?

GeNeMe zwischen Freiheit und Lernwegsteuerung

Ein Aspekt tauchte an vielen Stellen auf und das war die Balance zwischen Freiheit und Steuerung – gerade auch vor den technischen Möglichkeiten der moderne E-Learning- und Community-Tools und der extremen Komplexität der heutigen Wissensgebiete. Eine wichtige Aussage der Keynote zu „Creativity in Co-operative Foresight Activities“ von Professor Skulimowski (Uni Krakau) war, dass künftig alles, was wir uns als Medieninhalt vorstellen können, massgeschneidert sein wird, egal ob im Business, in der Aus- und Weiterbildung, der privaten Kommunikation, in Kultur und Unterhaltung. „Medienkompetenz-Readiness“ wird zu einer Kernkompetenz in der Enterprise 2.0 (Anna Riedel, Institute for Electronic Business) und setzt stark bei der Eigenmotivation und Selbstwirksamkeit der Lernenden an, während die Tools eine immer höhere Transparenz und damit auch immer subtilere Kontrolle und Steuerung zulassen (Beiträge des UniBELT Teams, TU Dresden).

Mein Fazit als Entwicklerin von Lernerfahrungen

Zum einen sind unsere Wissensgebiete sind extrem komplex geworden und die Herausforderung in der Wissensvermittlung besteht darin neue Wege in der Instruktion und Konstruktion zu finden und vor allem tradierte Trainings- und Lehrvorstellungen aufzugeben, wenn wir uns neuen Werkzeugen zuwenden. Zum anderen scheint die moderne Arbeitswelt den Teambegriff und die Teamfähigkeit sehr in den Vordergrund zu stellen und vermutlich hängt die Bewältigung aller Herausforderungen unserer Zeit wirklich davon abhängen, dass wir unser Bestes in uns finden und es an die Gemeinschaft geben. Aber: Lernen – die Suche nach Sinn und Antwort – ist ein zutiefst individueller Prozess, dessen Ergebnisse – unser Handeln in der Wirklichkeit – uns nur befriedigen können, wenn wir das Lernen selbst mit Freude und Unterhaltung verbinden und uns auch hier von überholten Vorstellungen lösen. Es gibt soviel zu entdecken!

Dieser Blogartikel ist zuerst auf www.learnical.com erschienen (5. Oktober 2012) – Version 1.1.

 

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